WG Leben

 

In einer WG lernt man viel. Zum ersten Mal selbst kochen. Netter Nebeneffekt: man weiß gleich, dass der Rauchmelder funktioniert und lernt, wie man ihn brutal auf den Tisch hauen muss, damit er schweigt. Ja, so ein WG- Leben ist sehr lehrreich. Aufbackbrötchen in der Mikrowelle rufen die örtliche Feuerwehr auf den Plan und eine Stahlbürste ist das beste Mittel, um die verkrusteten JA-Cornflakes von den Tellern zu kratzen. Pudding mit Klumpen ist awesome und das Warmwasser versiegt nach 23 Minuten Duschen.

 

 

Besonderen Spaß bereitet mir das Einkaufen. Beim Einkaufen werde ich zum Schwaben. „Billig ist zu teuer“,  lautet das Motto. Die Ortsgemeinde hält mich bereits für einen Pfandflaschensammler. Penibel gebe ich jede Mehr- und Einwegflasche zurück, als hinge mein Leben daran. Besonders faszinierend finde ich es, Kaffee zu kaufen. Zwar gehört Kaffee zu den etwas teureren Gütern des Studentenlebens, doch ist es wahnsinnig beeindruckend, wie viel Kaffeepulver in so eine Vakuumpackung geht. Das Öffnen derselben fasziniert mich in etwa so sehr wie einen Physiker ein Teilchenbeschleuniger, Rainer Brüderle Frauen im Dirndl oder Veganer Tofu. Ich finde es grandios, die Unmengen an gemahlenem Kaffee aus der Tüte zu pressen. Ein Hoch auf die Vakuumwissenschaft und darauf, dass Physiker noch andere Interessen als Teilchenbeschleuniger haben. 

Meine Oma pflegt zu sagen: „Man wird alt wie ne Kuh und lernt immer dazu“. Meine Oma hat Recht. Zuhause beobachtete ich immer, wie man pingelig bunte und helle Wäsche trennte. „Wie dumm“, dachte ich dabei, doch meine Oma würde Recht behalten. Alles zusammen auf 30 Grad zu waschen, funktioniert solange, bis sich die Ariel- Micropearls rächen. Heute war dieser Tag. Meine ganzen weißen T-Shirts sehen aus, als hätte ich zu viel Zeit in katholischen Jugendlagern auf Borkum verbracht. Unfreiwillig gebatikte Lieblingshirts, soweit das Auge reicht. 

 

Warum muss meine Oma immer Recht behalten? Kann nicht einmal das Leben auf meiner Seite stehen und Weiß Weiß sowie Schwarz Schwarz sein lassen. Naja, die Zeiten der Rassentrennung sind wohl vorbei und Fakt ist: meine Oma hatte auch heute wieder Recht! Nun weiß ich nicht nur, dass Rohrfrei nicht funktioniert, sondern auch, dass man Wäsche tatsächlich trennen sollte. Danke, Oma! 

 

Bilder und Text: Jan Werum