Herr Cola hatte doch Recht

 

Busfahrten nachts allein. Das sind die schlimmsten. Man dreht seinen Ipod auf, schaltet den Kopf ab und hofft,  dass man bis zur heimischen Toilette einhalten kann. Man wartet an der Bushaltestelle auf den in voraussichtlich 34 Minuten eintreffenden Bus, der aber tatsächlich erst in 48 Minuten kommen wird.

 

In solchen Situationen stehen, immer wenn man sie gerade nicht braucht, plötzlich gefühlte tausend glückliche Pärchen um einen herum. 

Du bist der gefrusteste Single in der ganzen Stadt und – peng -  schon stehen sie um dich herum! Liebkosen sich, herzen sich und tun all den Pärchenkram. Immer stärker wird in dir der Gedanke, dass zu dir nie die Eine kommen wird, um nach Feuer zu fragen. In diesem Moment will man sie nur alle in einen Sack packen und immer wieder draufhauen. Sollen sie doch gucken,  was sie haben von ihrem heile-Welt- Getue und Glücklichsein und so! Ist dir auch aufgefallen,  dass du garantiert nie anderen glücklichen Paaren begegnest, wenn du selbst in einer glücklichen Beziehung bist? Wahrnehmung spielt eine so große Rolle in unserem Leben. Leider sind wir uns dessen oft nicht bewusst und handeln deshalb auch nicht dementsprechend. 

Würden wir es tun, könnten wir viel bewegen, um unsere Umwelt etwas glücklicher zu stimmen. Auch ich versuche durch kleine Gesten meinen Mitmenschen etwas Gutes zu tun. Endlich ist der Bus da und ich kann aufhören, über die Welt zu philosophieren und mich selbst zu bemitleiden. Stattdessen bemitleide ich an jeder Haltstelle aufs Neue alle Passagiere, die alleine aussteigen. Ich weiß, mir wird es auch heute nicht anders als ihnen ergehen. Trotzdem stelle ich mir vor, wie es ist, nachts in eine kahle, kalte Wohnung zu tapsen, den Lichtschalter in der absoluten Stille zu suchen und zu wissen,  dass einen niemand erwartet. Als ich mir bereits einrede, Alkoholiker zu verstehen, merke ich, dass ich an dem Punkt angelangt bin, an dem ich mit Philospieren aufhören sollte. Ich beschließe spontan, von nun an ein besserer Mensch zu sein, was vermutlich auf meinen Alkoholpegel zurückzuführen ist, der sich  jenseits von Gut und Böse befindet. Die erste Möglichkeit, meinen Willen zur Weltverbesserung zu beweisen,  erhalte ich beim Verlassen des Busses: mit einem charmanten "Auf Wiedersehen" verabschiede ich mich beim Busfahrer. Dieser antwortet nicht. Keine Resonanz. "Okay,  Arschloch!", denke ich mir und verlasse ohne weitere Worte den Bus. Warum ist es so schwer,  unseren Planeten im Kleinen etwas lebenswerter zu machen? Die Frage ist eigentlich ganz einfach zu beantworten: "Weil wir uns selbst im Weg stehen"!   

 

 

In Berlin gibt es eine studentische Bewegung namens „Guerilla Gardening“.  Die Gardeners setzten sich das ehrgeizige Ziel,  die Stadt zu verschönern. Also bepflanzten sie eifrig die von der Stadt vernachlässigten Beete an Gehsteigen und in Parkanlagen. Sie düngten, gosseen, hegten und pflegten die Blumenzwiebeln und Samen, die sie zuvor sorgsam in die Erde gesetzt hatten. Doch die Gardeners hatten nicht mit den mächtigen Statuten und Paragraphen unserer Nation gerechnet, welche besagen, dass „Wildbepflanzen“ verboten ist. Jetzt also muss die Guerilla nachts, wenn alle Menschenseelen schlafen, ihre subversiven Blumensamen aussäen, um dem Gesetzgeber nicht auf den Schlips zu treten und um sich selbst vor schwedischen Gardinen zu bewahren.

Es fängt beim Nicht-Antworten des Busfahrers an und endet bei der durch Paragraphen erschwerten Verschönerung der Stadt. Nichtsdestotrotz: lass dich nicht entmutigen. Grüße den Busfahrer, pflanze eine Blume, freue dich, wenn andere glücklich sind, und denk immer an die Coca Cola Werbung: Liebe hat mehr Treffer als Hass! 

      Text und Bilder : Jan Werum

 

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