Die späte Rache den Christentums

Das Treiben der Konsumkrüppel

 

Wir schreiben das Jahr 2010. Um genau zu sein den 24. Dezember um 13 Uhr. Der Final Countdown für die Bescherung läuft. Oder wie N24 es umschreiben würde "noch 8 Stunden bis zur Katastrophe".

Mir geht es wie allen Männern, in einer Stunde ist Ladenschluss und Geschenke müssen her, koste es was es wolle. Also kämpfe ich mich wie ein Ninja durch die konsumgeschwängerten Massen, die völlig unzurechnungsfähig mit Schweiß auf den verzweifelten Stirnen kreuz und quer herumrennen. 

Ich tue es ihnen gleich, stelle meine Mundwinkel auf den „Angela Merkel Modus“ und lasse mich vom gestressten Strom tragen. Der Strom führt mich in einen Asia Laden. Das Schicksal hat entschieden dieses Jahr bekommen alle Verwandten Grünen Tee!

Weiter geht es zu Media Markt. Vorbei an Teenie Gören deren Welten gerade zusammenbrechen, da der freundliche Herr in Rot ihnen erklärt, dass das Iphone restlos ausverkauft ist. 

Naja dann bekommen sie eben einen Gutschein und die ach so notwendige Sitzung beim Therapeuten. Mit einigen Umwegen erreiche ich den Sofortdruck-Automaten für Fotos. Nicht nur ich hatte die grandiose Idee am 24. Fotos auszudrucken.

Also warte ich und kann kurz entspannen und mich höhnisch damit zu belustigen das die Frau vor mir gerade ihre Micro SD Card in den USB Slot gesteckt hat. Jetzt stehen wohl nur noch 2 von 3 Automaten zur Verfügung. Nach langem Warten bin ich an der Reihe. Also lasse ich meine nerdige Seite raushängen und erhalte in 23sek. mein Bild. Nicht ohne die bewundernden Blicke der herumstehenden Leute bemerkt zu haben, begebe ich mich zur Kasse.Dort werde ich freundlich mit einem "Frohen Fest" abgefertigt.

Kurz überlege ich ob ich ihr auch ein liebevolles "Schöne Weihnachten" an den Kopf schmeißen soll, doch dann entscheide ich mich für ein simples "Schönen Feierabend", da sie nicht gerade aussieht als ob es in ihrer Religion so etwas wie Weihnachten gibt.

Ich bin fertig in jederlei Hinsicht. Heerscharen von Omas sprechen mich an, ob ich nicht friere nur in T-Shirt. Ich gewähre jeder einzelnen eine kurze Audienz in denen ich ihnen mit einem leicht agressiven Unterton etwas über die hohe Selbstmordrate an Weihnachten erzähle und außerdem sei ich ja privat versichert. Es scheint sich rumgesprochen zu haben, dass ich mit Omas am 24ten nicht so gut kann, denn von nun an drehen alle Ü70ziger enttäuscht von mir ab.

Auf dem Parkplatz vor Media Markt kommt es nun zu El Classico."Wo habe ich das Auto geparkt"?

Wie der letzte Neandertaler mache ich mich auf es zu suchen. Schnell merke ich das ich nicht der einzige Schild-les-verweigerer bin. 

 

 

 

Also schließ ich mich den überwiegend Männlichen Leidensgenossen an und renne Schlüsseldrückend über den scheinbar endlosen Parkplatz. Nach 20min. gebe ich verzweifelt auf. Freudig bemerke ich das Weihnachten doch etwas gutes mit sich bringt. An Weihnachten hat Media Markt nämlich nur bis 14h geöffnet. Das heißt ich muss nur noch 30min. ausharren und der Parkplatz wäre leer. In melancholischer Stimmung fingere ich eine Zigarette aus der Packung und zünde sie mir an. Um genau zu sagen ich versuche mir sie anzuzünden, was mir aber nicht gelingt, da mein Feuer seit einigen Tagen kaputt ist. Ich erinnere mich an den Tag als ich in einem Anflug von Eifer eine TO DO Liste erstellt habe. In meinem Kopf setze ich "Neues Feuerzeug einpacken" auf die Liste. Es ist immer noch nicht 2Uhr, also beschließe ich weiter zu suchen. Wie schön waren die Zeiten noch als wir ein neon-grünen Corsa hatten. Leider musste er abwrackprämienbedingt einem neunen unscheinbaren blauem Family-Van weichen. Endlich finde ich das Auto in Reihe B7. Ich fürchte diese Nummer wird mich nun ein Leben lang verfolgen.

Ich beschließe das letzte Naherholungsgebiet für Männer aufzusuchen. "Hornbach"! Ohne Fragen eines Verkäufers und unter Erfüllung jeglichen Klischees finde ich meine Filzpads auf Anhieb. Doch an der Kasse stelle ich entgeistert fest das die letzte Männer Domäne auch nicht mehr das ist was sie mal war. Ich werde von einer Frau bedient. Emanzipation muss Grenzen haben!

Beim rausgehen stelle ich fest, das Hornbach jetzt auch twittert und auf Facebook aktiv ist. Ich frage mich selbst was man da so auf sein Handy getwittert bekommt? " Die neuen 8mm Spax-Schrauben sind eingetroffen"? Also entscheide ich Hornbach auf Facebook zu adden und so lange nicht vom Monitor zu weichen bis ich die Nachricht erhalte "Hornbach spielt Farmville auf Facebook". Ohne weiter Komplikationen finde ich das Auto.

 

Ergebnis des noch so jungen Tages:

"Eine leere Autoschlüsselbatterie, ein alljährliches Wirtschaftswunder des Einzelhandels und zu guterletzt mein Entschluss gleich Morgen zum Islam zu konvertieren.


 Text und Bild: Jan Werum