Der grüne Corona-Trinker, der blau wurde und schwarz sah

 

 

Es war die oft zitierte "Facebook-Generation", die in Nordafrika für Aufstände sorgte und damit ein neues "Soziales Zeitalter" einläutete. Doch funktioniert derartiges nur, wenn auch eine „echte“ Welt quasi als Gegenwert hinter dem virtuellen Streben steht und man die reale Plattform auch nutzt, um virtuell Vereinbartes  tatsächlich umzusetzen. Klingt komplizierter, als es ist und es ist auch in weniger Worten erklärbar: "Geh raus in die Welt,Fettarsch! Lebe so, als wärst du eine Eintagsfliege und genieße jeden Moment und flieg - wenn irgend möglich -  nicht gegen Autos. Das macht den Lack kaputt.“

Facebook hat zweifelsohne die Interessen und Werte bezüglich dessen, was wir Menschen als existenziell empfinden, grundlegend verschoben. Sukzessiv verschoben sich unsere Normen und Werte hin zum vermeintlich Sozialerem und Technischerem. Oder einfacher ausgedrückt: Wir sind alle materialistische, nerdige Kellerkinder.

Wir alle versuchen um jeden Preis individuell zu sein, versuchen die neuste Musik vor allen anderen auf unserm Ipod zu haben, die hippsten Klamotten zu tragen und den coolsten Laden der Stadt zu kennen. Dabei bemerken wir leider zu selten, dass der Typ neben uns das gleiche, postmoderne Kid Cudi Lied hört, dieselben blau-grau gescheckten Sneaker trägt und ebenfalls im coolsten Laden der Stadt lasziv an seiner mazedonischen Aloe Vera Latte schlürft. Leider vergessen allzu viele bei ihrem überdimensionalem Pflichtbewusstsein für den neusten Schrei, dass hip nicht gleich schick und praktikabel ist. Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich auf Festivals die Typen in Ben Shermann T-Shirts versehentlich ansprach und sie fragte, welche Geschmacksrichtungen Bionade sie hätten.

Früher gab es die Punks, die Ökos, die Spießer, die Raver, die Träumer, die Klassiker, die Rocker, die Sozis und viele mehr. Nicht mehr viele Gruppierungen sind übrig geblieben.  Heute verschmelzen all diese Gruppen zu einer großen, zähen Masse.

Nur vereinzelt trifft man noch auf wirkliche Individualisten. Eine Gruppe, die neu ist, sind die Nerds. Es gibt zwei Arten von Nerds. Einmal die Mode-Nerds, die einfach nur die nerdige Kleidung für salonfähig erklärt haben, und zum anderen die echten Nerds, die mit den wassergekühlten High-End PC´s im Star Trek-Design. Letztere Gruppe ist auf dem besten Wege allgemeinbildungs-technisch vor die Hunde zu gehen. Wie wird es sein, wenn jene Gruppierung auch noch in 50 Jahren existiert und völlig verdummt vor sich hin dümpelt? Man wird den Nerds eine Bundestagswahl wie folgt erklären müssen: "Also, Herr Nerd, das mit der Bundestagswahl ist so: Es gibt bei der Wahl eine Menge Avatare, die sich in verschiedenfarbenen Gilden treffen, um sich auf einem großen, in Berlin stationierten Server zu treffen und dort Teamspeak zu betreiben. Alle 4 Jahre erhältst du ein Popup-Fenster, mit dessen Hilfe es dir gelingen sollte, für eine Gilde deiner Wahl zu stimmen. Also merken : Alle 4 Jahre reseten!“

Es gibt aber auch noch die Gruppe der exzessiven Internet- und Fernsehnutzer. Ihnen wird man eine Bundestagswahl wie folgt erklären müssen : "Also, lieber Medien-Junkie, das mit der Bundestagswahl ist so: Es gibt bei der Wahl verschiedene Profile aus verschiedenen Gruppen. Vor der Wahl machen sie Trailer, damit man sie später bei der Ausziehung dann auch liked und nicht auf die Ignore-Liste setzt. Du musst also gucken, ob Frau Merkel mit deinen Interessen  übereinstimmt. Schaut sie z.B. auch gerne „King of Queens“, „How I met your mother“ usw. Falls ihr euch ähnlich seid, kannst du sie bei der Wahl liken und bei Interesse sogar in ihre Gruppe eintreten, um sie aktiv zu supporten. Im Großen und Ganzen heißt das, du musst nur alle 4 Jahre on sein und bei deiner Lieblingsperson den Like-Button pushen, damit sie ein Foto erhält und ins Recall einzieht.“

 

 

Zurück zur bereits angesprochenen großen, zähen Masse. Welche Charakteristik hat diese Masse und was zeichnet sie aus?

Die Masse besteht aus Corona trinkenden Hippsters, die ziellos auf ihrem Handy "rumtouchen" und dabei trinken, als gäbe es keinen Morgen mehr. Frei nach dem Motto: "Zwei Radler sind auch nur ein Bier" oder auch "2012 ist sowieso Schluss. Also was soll’s?" Großteile der Masse haben in sozialen Netzwerken bei ihren Hobbys Dinge wie z.B. Kunst und Fotografie angegeben, doch meistens handelt es sich um eine gnadenlose Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten, denn den Kontrast bei seinem Profilbild variieren zu können, ist nicht gleichzusetzen mit einem Kunststudium! Alle 4 Jahre hat die Masse einen Termin. Sie muss wählen. Die meisten machen ihr Kreuz bei einer jungen, trendigen Partei wie den Grünen, weil man den Al-Gore Film gesehen hat und die anderen es ja auch tun. Also kann es ja nicht so falsch sein.

Am Abend der Wahl wird dann erstmal das erfolgreiche

„Kreuzchensetzen“ gefeiert. Also, die in Bangladesch produzierten Schuhe geschnürt, ein aus Mexiko importiertes „Weg-Bier“ genommen, Kippe im Leichtsinnsglauben, damit Arbeitsplätze zu schaffen, auf den Boden geschmissen und mit der nächsten  U-Bahn zum Club gefahren.

Eine halbe Stunde angestanden. Während des Anstehens kristallisiert sich heraus, dass nur einer der vier in der Gruppe so richtig Lust hat. Das fällt dann auch schon nicht mehr unter die Kategorie „Gruppenzwang“. Also merken! „Club ist Diktatur!“ Endlich im Club angekommen. Zwischen all den Menschen noch eine leere Ecke (mit dem Luxus sich an die Wand anlehnen zu können) gefunden. Bier holen, doof mit dem Handy rumfuchteln, beschäftigt wirken, aber Hauptsache: nicht tanzen. Ein weiteres überteuertes Bier bestellen. Sich innerlich über die horrenden Preise ärgern, aber weiter trinken. Wird eben beim nächsten, fälligen Klamottenkauf wieder bei Primark geshoppt. Merkt schon keiner! Highlight des Abends ist es, mit dem besten Freund das Geschehen im Stile eines Fußballkommentators zu kommentieren. „Und da kommt der Tank Top-Türke gefährlich aus dem Halbfeld, zieht über den rechten Flügel nach innen in Richtung der Blonden. Da müsste der Anmachspruch kommen und Korb Korb Korb. Das Spiel ist aus!“ Vermutlich sagte er so etwas wie: „Hey Süße kann ich dich heute nacht mal anstupsen“.  Sofort „geilster Abend aller Zeiten“ bei Facebook gepostet. Größter Frauenerfolg des Abends war der ungewollte, auf König Alkohol zurückzuführende Zusammenstoß mit der ukrainischen Putzfrau des Clubs. Um 4 Uhr endlich nach Hause gekommen. Kurz vorm heimischen Waschbecken den Bulimiepatienten gespielt. „Bett“ bei Facebookorte gepostet und in die Traumwelt entschwunden. 

So oder so ähnlich könnte ein Tag im Leben eines Hippsters aussehen. Zugegeben - der dargestellte Charakter ist etwas überzeichnet, doch es gibt sie, die Hippster, die dir garantiert die aktuelle Top 100 der Apps aufsagen können, ohne ins Stottern zu geraten. Sich aber verkriechen, wenn man sie nach dem Namen des Außenministers fragt. 

Was ich mit all dem sagen will, ist, dass jedes Handeln auch Konsequenzen mit sich bringt, die vielleicht zu anfangs nicht gleich erkennbar sind, aber auf längere Zeit, einen Effekt haben werden. Ist es wirklich nötig, den PC über Nacht im Standby-Modus zu lassen,  nur um am Morgen noch schnell vor der Schule Karotten bei Farmville zu säen? Muss ich bei Facebook posten,  dass ich auf Toilette bin, nur weil ich es lustig finde? Darf ich Thunfisch mit Delfinstücken ekelhaft finden, wenn ich Greenpeace Aktionen lachhaft finde?

 

Ich bin der grüne Corona-Trinker, der blau wurde und schwarz sah. Aber du kannst das Schwarz etwas erhellen, wenn du anfängst über den Tellerrand zu schauen.

 

Make the most of now ! 

 

Vodafone (Philosoph 1984- Heute) 

 

 

 

 

(Un)nützes Wissen für alle Trendbewussten und solche die es werden wollen

 

 

Das Ben Sherman -und Bionadenlogo ist das selbe Symbol wie das der British Air Force.

 

 

 

 

 

Um vor den Freunden mit der Größe des neuen Plasmas protzen zu können  lohnt es sich zu wissen, dass ein Zoll 2,5cm ist. Klingt einfach spektakulärer.


 

 

 

Hollister ist eine kleine Stadt in Kalifornien.